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Foto: www.dokumTIERE.de
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Sich zu ernähren kann als existentielles Moment ohnehin nicht ausgeblendet werden und ist daher ein tiefgreifendes Lebensstil konstituierendes Element der Szene. Von einer einhellig befolgten ‚Ernährungslehre' kann jedoch nicht die Rede sein. Es gibt Veganer, die sich vorwiegend oder ausschließlich von Rohkost ernähren, andere bevorzugen regionale Lebensmittel aus möglichst biologischem Anbau, wieder andere bestellen im veganen Versandhandel in Mangel eines Bioladens oder Reformhauses in der Nähe spezielle vegane Lebensmittel wie veganen ‚Käse' oder in Aussehen, Konsistenz und Geschmack an Wurst und Fleisch angelehnte vegane Alternativen zu Schnitzel, Steak und Co. aus Weizenprotein (Seitan) und/oder Soja (Tofu). Fast-Food-Ketten u.ä. finden in der Regel keine Akzeptanz, wenn auch eine sehr eingeschränkte vegane Verköstigung dort mitunter möglich wäre. Konsum und nicht zuletzt die Ernährung erhält bei einem veganen Lebensstil allerdings auch eine politische Dimension. So wird ökologisch erzeugten Produkten und solchen aus ‚fairem Handel' der Vorzug gegeben.

Eher ein Randphänomen ist das sogenannte ‚Containern' von Lebensmitteln, die entweder das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben oder nach den Kriterien des Handels dem anspruchsvollen Verbraucher nicht mehr zugemutet werden können (z.B. Obst und Gemüse mit kleinen optischen Mängeln). Diese Nahrungsmittel werden oftmals in Containern auf dem Gelände von Supermärkten entsorgt und bieten den ‚Freeganern' ein mitunter reichhaltiges Angebot an noch genießbaren, aber nicht mehr ganz frischen oder völlig makellosen Lebensmitteln. Freeganer werden auch als ‚Dumpsterdiver' bezeichnet. Manche Freeganer finden auch das Containern unveganer Lebensmittel legitim, da diese ohnehin vernichtet und nicht mehr zu einer Beeinflussung des Marktes im Rahmen eines Boykottes taugen und somit auch kein marktwirtschaftliches bzw. politisches Zeichen gegen die Nutzung von Tieren mehr setzen würden. Vor allem ethisch motivierte Veganer lehnen diese Toleranz gegenüber unveganen Lebensmitteln aber vehement ab. Von diesen werden üblicherweise auch (als domestiziert) geltende Haustiere (Hunde, Katzen) vegan ernährt, um die Nachfrage nach "Schlachtprodukten" nicht zu forcieren. Für manche Veganer stellt die Ernährung eines fleischfressenden Haustieres kein ethisches Dilemma dar, während andere die Haltung von Tieren grundsätzlich als nicht artgerecht ablehnen. Die Obhutnahme oder Vermittlung ‚befreiter' Tiere - etwa Hühner aus Legebatterien oder Tiere aus Laboratorien und Versuchstierzüchtungen - stellen dabei eine aus einer Notsituation erwachsene Ausnahme dar.

Ein veganer Lebensstil zielt auf ein "Vermeiden des Vermeidbaren" als gemeinhin akzeptiertes Prinzip ab. Ethische Dilemmata sind durchaus im Bewusstsein der Szene und werden als solche, z.B. in Online-Foren, auch thematisiert. Dies betrifft etwa die sicherlich unbehagliche Akzeptanz von selbstredend auch mithilfe von Tierversuchen entwickelte oder zumindest getestete Arzneien, wobei dahingehend argumentiert wird, dass eine Nichtakzeptanz von unveganen Medikamenten zu keiner Reduzierung oder Loslösung von Tierversuchen führen würde. Nichtsdestotrotz wird die tierversuchs- und tierproduktfreie Forschung ohne Zugeständnisse eingefordert, worin nicht alle Veganer einen Widerspruch sehen.

Einer Gleichsetzung von veganer Ernährung mit rein vegetabiler (pflanzlicher) Kost wird einheitlich widersprochen, da auch Pilze und Hefen, die nicht zum Pflanzenreich gehören sondern eine eigene Kategorie bilden, verzehrt werden, außerdem (ebenfalls regelmäßig in Tierversuchen getestetes) (Trink-)Wasser sowie Mineralien und Salze. Der Konsum von Sojaprodukten, die unter Einsatz von ursprünglich aus Kuhmilch stammende Bakterienstämme hergestellt werden, wird ebenso kritisch diskutiert oder abgelehnt wie der Verzehr von Zucht-Champignons, deren herkömmliches Substrat fast immer aus Pferdemist (und ganz geringen Mengen Geflügelmist) besteht.

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 16. Juli 2008 )
 

Redaktion Veganer

Thomas Schwarz

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