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Foto: www.dokumenTIERE.de
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Eine szene-mythologische Geschichtsschreibung einer veganen Bewegung existiert im Grunde genommen nicht. Verweise auf zumindest tendenziell Tierprodukte ablehnende Philosoph(i)en und weltanschauliche Gruppierungen der griechischen Antike oder auf vereinzelte religiöse Gruppen wie die Jaina-Mönche markieren jedoch historische Bezugspunkte von Vorläufern eines modernen Veganismus. Auch innerhalb der Lebensreformbewegung zum Ende des 19. Jahrhunderts lassen sich vegane Orientierungen identifizieren (z.B. Monte Verità). Dies gilt auch für das von Carl A. Skriver begründete nazoräische Urchristentum (dem Orden der Nazoräer), welcher in der Szene allerdings kaum bekannt sein dürfte, obgleich dieser szene-immanente Wertorientierungen vergleichsweise früh zur Schrift brachte und publizierte (vgl. Skriver 1982). Einige Veganer stehen (quasi-)religiösen Bezügen vielmehr ablehnend gegenüber und berufen sich auf einen ‚politischen' Veganismus (Tierrechts- oder Tierbefreiungsidee) in der Tradition anderer Aufklärungs- und Befreiungsbewegungen mit Bezug auf die Tiere als die vom vorherrschenden System Rechtlosen, Unterdrückten und Ausgebeuteten.

Im November 1944 wurde in England von Donald Watson (1910-2005) die Vegan Society gegründet. Der Begriff vegan gilt als eine Wortschöpfung Watsons aus den ersten drei und den letzten zwei Buchstaben des englischen vegetarian zur begrifflichen Abgrenzung von den "klassischen" Vegetariern, die Milch und/oder Eier, zumeist auch Honig und in einigen Fällen auch Gelatine und Labenzym tierischen Ursprungs (im Käse) akzeptieren oder auch Lederschuhe tragen und vorwiegend gesundheitlich motiviert sind oder die Mechanismen der Tierhaltung für die Eier- und Milchindustrie nicht ausreichend bedenken oder ausblenden, wenn sie für ihren Lebensstil ethische Motive reklamieren.

1975 erschien Peter Singers Buch "Animal Liberation" (dt.: "Die Befreiung der Tiere"), welches laut Breßler (1997) oft auch als "Bibel der Tierrechtsbewegung" bezeichnet werde, weil es eine neuere Debatte um die Rechte der Tiere entfacht habe, obwohl Singer in dem Buch gar nicht für einen konsequenten Veganismus plädiert (vgl. S. 284ff.).

Der Lebensreformer Walter Sommer (1887-1985), Rohköstler seit 1924, gilt als der Veganer mit der längsten veganen Ernährungsperiode überhaupt (vgl. Wikipedia). Innerhalb der Szene sind historische Bezüge jedoch kaum von Bedeutung. Die Ausrichtung liegt vielmehr auf aktuelle Events und Kampagnen für den veganen Lebensstil und die Tierrechtsidee.

Eine Errungenschaft im Lebensmittelsektor ist sicherlich die zunehmende Bereitschaft auch großer Lebensmittelkonzerne vegane Produkte als solche zu kennzeichnen sowie ein stetig wachsendes Angebot veganer Nahrungs- und Gebrauchsmittel (z.B. tierversuchsfreie Hygieneartikel) insbesondere im Biosektor. Auch die Akzeptanz der Veganer im öffentlichen Raum scheint in den letzten Jahren gestiegen zu sein, so dass selbst etablierte Tageszeitungen wie die Frankfurter Allgemeine oder die Süddeutsche Zeitung wiederholt den veganen Lebensstil in Artikeln, z.B. über die Band Maroon oder die Eröffnung eines veganen Restaurants in München aufgegriffen haben. Die Zahl vor allem deutschsprachiger wissenschaftlicher Publikationen über die Veganer-Szene und die Tierrechts-/Tierbefreiungsbewegung (als soziale Bewegung) ist allerdings (noch) überschaubar.

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 16. Juli 2008 )
 

Redaktion Veganer

Thomas Schwarz

Multimedia Veganer

veganer.gifVEGANER sein, bedeutet die völlige Ablehnung von Tierprodukten jeglicher Art... 
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