Liverollenspiel E-Mail

Foto© Sebastian Deterding
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Liverollenspiel oder LARP (Live Action Role Play bzw. Live Adventure Role Play) geschieht auf mehrtägigen Events - wie beim Tisch-Rollenspiel Cons genannt -, zu denen die Spieler oft aus ganz Deutschland anreisen. Dauer und Größe eines Cons schwanken zwischen ein bis zehn Tagen und 50 bis mehreren hundert Spielern; die Teilnahmegebühren reichen von 20 bis etwa 200 Euro. Kleine, informellere Cons mit bis zu 20 Spielern sind oft kostenfrei. Internetseiten und Flyer, die am Ende jedes Cons ausliegen, informieren über zukünftige Cons.

Gut 80 Prozent der Larp-Szene spielt auch das "klassische" Rollenspiel. Die LARP-Szene ist kleiner, dafür eng, fast familiär verknüpft. Es bestehen einige Überschneidungen mit der Szene der Mittelalterbegeisterten, die man auf Ritterfestspielen und Mittelaltermärkten findet, sowie mit "Historical Reenactment"-Gruppen, die historische Schlachten möglichst getreu nachstellen. Auch hier finden massive rhetorische Abgrenzungskämpfe zwischen den Gruppen statt. Der Frauenanteil in der Larp-Szene ist etwas höher (etwa 25%), auch der Altersdurchschnitt liegt mit 24 Jahren etwas niedriger, und im Gegensatz zum Tischrollenspiel wächst die Liverollenspiel-Szene. In Einstellung, Motiven und ästhetischen Vorlieben gleichen sich "normale" und Live-Rollenspieler jedoch.

Liverollenspieler kennzeichnet vor allem das handfeste Tun im Gegensatz zum "nur" Vorstellen und Erzählen beim Tischrollenspiel. Zentraler Wert ist die Authentizität: Alles soll möglichst "echt" mittelalterlich sein. Liverollenspieler investieren viel Zeit und hunderte Euro, um die eigene Gewandung, die eigenen Waffen, das eigene Zelt selber von Hand herzustellen. Auf den Cons wird selber gekocht und Musik gemacht, statt Bier gibt es Met, man spricht durchgängig ein pseudomittelalterliches Deutsch (sofern es ein Fantasy-Con ist). Moderne technische Objekte sind, so weit es eben geht, vom Spielort verbannt. Die Atmosphäre auf einem Con hat viel von Lagerfeuerromantik und großer Familie. Befreundete Larp-Spieler besuchen einen Con meist als feste Gruppe ("Stamm", "Clan", "Hexenzirkel", "Bruderschaft") mit eigenen Wappen, Liedern, Anführer, etc., wobei die Gruppen untereinander über die Cons hinweg Fehden und Freundschaften pflegen.

Die sog. Orga (Organisatorengruppe) sucht für einen Con eine Location (etwa eine Burg oder ein abgelegener Zeltplatz am Wald), entwirft eine Hintergrundgeschichte, die den Ort in eine fiktive Welt einkleidet, sowie einen Plot aus Ereignissen und Konflikten, mit denen die Spieler konfrontiert werden. Nichtspielercharaktere (NSCs) agieren als Statisten und "Nebenrollen" der fiktiven Welt. Wie beim normalen Rollenspiel gibt es zahlreiche Regelsysteme, die Kampf (mit speziellen Polsterwaffen), Magie und ähnliches regeln. Da die Ausrichtung eines Cons sehr aufwändig ist, haben sich die meisten Orgas mittlerweile fest in eingetragenen Vereinen, wirtschaftlichen Rechtsformen und übergreifenden Netzwerken organisiert und richten jährlich mehrere Cons aus, die im Idealfall eine zusammenhängende Geschichte in einer Hintergrundwelt ergeben.

Wie beim Tischrollenspiel macht Fantasy den Löwenteil aller Cons aus, es gibt jedoch auch Science Fiction-Cons, Horror-Cons (vor allem "Call of Cthulhu") und eine überaus aktive Szene von "Vampire"-Liverollenspielern. Bemerkenswert ist schließlich die enorme Verbreitung des Liverollenspiels in Skandinavien.

Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 25. November 2007 )
 

User Comments

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'Zentraler Wert ist die Authentizität' Das stimmt so nicht. 'authentisch', sprich durch Quellen oder Orginalfunde belegt, muss es beim Reanactment sein. Larp soll nur eine möglichst 'fantasylastige' Atmosphäre haben. Das kann bedeuten dass man sich an historischen Quellen orientiert, es muss aber nicht sein. Wie sollte man auch einen 'authentischen' Elfen oder Ork inszenieren.

Es wird auch Bier getrunken. Met ist beliebt, aber er ist keinesfalls als alleiniges Getränk genossen.

Veröffentlicht von Kritiker, An 09/23/2008 bei 17:55

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Redaktion Rollenspieler

Sebastian Deterding

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