 (c) Pablo Giese Innerhalb anderer urbaner Freestyle-Sportszenen (z.B. Skateboarding, Inlineskating, BMX, Mountainbike etc.) scheint es, als würde Parkour weitestgehend als interessantes Phänomen wahrgenommen, vor dem Hintergrund, dass im Parkour auf Vehikel und Hilfsmittel verzichtet wird. Die Beziehung zu etablierten Sportarten, die den inhaltlichen Grundstein für Parkour bilden, ist demgegenüber gespalten. Für viele ambitionierte Sportler aus dem Turnbereich, den Kampfkünsten oder der artistischen Szene stellt Parkour einen Rahmen dar, in dem sich bekannte Elemente sehr ‚frei‘, kreativ und individuell gemäß der jeweils eigenen Bewegungsvorlieben in selbstgestellten Herausforderungskonstellationen anwenden lassen – für andere Aktive dieser Sportarten scheint es eher störend zu sein, dass Traceure ohne professionelle Anleitung und ohne ausgefeilte Trainingspläne augenscheinlich unsystematisch Bewegungsformen einüben und anwenden. Sportler, die der Parkourszene kritisch gegenüberstehen, definieren ‚Qualität‘ bzw. sportliche Leistung vor allem anhand der perfekten Ausführung einzelner über Bewertungsskalen normierter Bewegungsabläufe. Diesem starren Kriterienkatalog setzt Parkour seine eigenen (auf den ersten Blick) flexibleren Qualitätsmaßstäbe entgegen, die sich im Wesentlichen umschreiben lassen mit einer möglichst vielseitigen, kreativen Anwendung von Bewegungen und ihrer Kombination zu einem Bewegungsmuster, das eine enge Beziehung mit der natürlichen oder gebauten Umgebung eingeht. So überrascht es nicht, dass einzelne Sportler aus anderen Bereichen Inspiration aus dem Parkour beziehen, sich mit der Grundidee beschäftigen oder gemeinsam mit Traceuren trainieren, während Parkour von Seiten etablierter Sportorganisationen vielfach noch mit Vorsicht betrachtet wird. Kooperationen zwischen Parkourgruppen und Sportverbänden sind aktuell noch eher eine Seltenheit.
Die Parkourszene selbst zeigt sich hingegen sehr offen für Einflüsse aus anderen urbanen (Sport-)Szenen. Die daraus entstehenden Beziehungsgeflechte sind allerdings bislang (zutreffender) als ‚locker‘ zu bezeichnen und befinden sich derzeit noch vorwiegend in einem frühen Entwicklungsstadium. Dies zeigt sich beispielsweise daran, dass sich in anderen Sportszenen noch kein erkennbarer Konsens hinsichtlich der Bewertung von Parkour durchgesetzt hat und – umgekehrt – innerhalb der Parkourszene noch kein generalisierbarer szeneöffentlicher Common Sense zum Stellenwert anderer (Sport-)Szenen die szeneinterne Diskussion dominiert. Zwischen der Parkourszene und Musikszenen lassen sich bislang noch keine spezifischen Sympathien oder Antipathien feststellen, da Traceure in sämtlichen musikalischen Szenen beheimatet sein können.
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Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 13. Dezember 2009 )
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