Medien E-Mail
(c) Pablo Giese
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Das Internet ist nahezu das einzige Medium, das in der Parkourszene eine Rolle spielt. Fanzines im Printformat werden von Szenezugehörigen hingegen gar nicht genutzt oder produziert. Das Internet erfüllt dabei eine Vielzahl von Funktionen: Alle szenerelevanten Informationen – über die Geschichte und Inhalte des Parkoursports, über Treffen und Events, über verschiedene aktive Gruppen usw. – können im Netz abgerufen werden. Auch die regionale und überregionale Vernetzung von Traceuren wird über das Internet organisiert, wie z.B. Verabredungen zu gemeinsamen Trainingssessions. Häufig werden über Parkourportale auch sogenannte ‚Tutorials‘ zur Verfügung gestellt. Dies sind Sammlungen von anfängergerecht aufgearbeiteten Beschreibungen verschiedenster Bewegungsabläufe in Wort und/oder Bild, die auch ohne persönliche Anleitung durch einen Trainer ein schrittweise aneignendes Nachvollziehen und Erlernen der Bewegungen ermöglichen sollen. Außerdem werden offene Videocommunities (wie YouTube oder Clipfish) sowie szeneinterne Internetplattformen zum Upload von Videos genutzt, in denen Traceure ihr Können vorführen. Eigene ebenso wie fremde Videobeiträge unterschiedlicher Qualität können dort bewertet und diskutiert werden, wovon die Szene intensiven Gebrauch macht. Aufgrund der starken medialen Ausrichtung auf CPU-basierte Medien, kann auch die kreative Auseinandersetzung mit ‚neuen Medien‘ (Video-, Bild- und Fotobearbeitung; Programmierung von Homepages und dergleichen) als eine der Hauptaktivitäten vieler Protagonisten der Szene gesehen werden. Die Nutzung von szeneinternen Medien wirkt durch die Verbreitung der szenekonstitutiven Idee zwar stabilisierend auf die Szene, jedoch kann die Beschäftigung mit Szenemedien die tatsächliche Ausübung des Parkoursports nicht im Sinne eines Kriteriums für ‚Zugehörigkeit‘ ersetzen – das bedeutet: Wer zur Szene dazugehören will, muss bereit und in der Lage sein, sich die szenetypischen Bewegungsweisen anzueignen. Die sportlich-körperliche Dimension besitzt insofern ‚oberste Priorität‘ in den Relevanzen der Szene, der andere Aktivitätsbereiche (wie etwa ‚Mediennutzung‘) eindeutig nachgeordnet sind.

Für eine szeneexterne Berichterstattung scheint Parkour ein reizvolles Thema zu sein, was sich daran zeigt, dass sich Medienbeiträge über diese Szene in Printmedien ebenso wie im Fernsehen mittlerweile häufen. Dies könnte momentan noch auf den Nimbus des Neuen zurückgeführt werden, da eine Vielzahl der Berichte die Szene als ein neuartiges exotisches Phänomen porträtiert. Während in einigen Berichten auf die Ursprünge der Szene und ihre umfassenden ethischen Grundsätze eingegangen wird, liegt der Schwerpunkt vieler Beiträge oft eher auf den spektakulären artistischen Bewegungen der Traceure sowie auf den Risikofaktoren des Parkoursports. Häufig werden Traceure – sehr zum Verdruss von Szenezugehörigen – als risikobereit, geradezu übermenschlich leistungsfähig oder unreflektiert Handelnde dargestellt.

Parkour erscheint zudem, wohl wegen seiner charakteristischen jugendlich-dynamischen Ausstrahlung, als geeigneter Träger für Werbebotschaften. Auch in Kinofilmen (Yamakasi, Ghettogangz, James Bond) und Musikvideos (u.a. Madonna) wurden bereits Sequenzen gezeigt, in denen Parkour ausgeübt wurde, so dass davon auszugehen ist, dass eine öffentliche Aufmerksamkeit für diesen Sport unter anderem aus derartigen Mediendarstellungen resultiert. Mit steigender Tendenz ist auch zukünftig mit einer konstanten Präsenz von Parkour in den Medien zu rechnen.
Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 13. Dezember 2009 )
 

Redaktion Parkour

Pablo Giese


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