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Die Parkour-Szene verfügt über eine integrale Philosophie, die aus den Ursprüngen von Parkour bzw. der »méthode naturelle« abgeleitet ist. Mit dieser Philosophie befassen sich die meisten Traceure früher oder später mehr oder weniger intensiv: In den Grundzügen legt diese einen reflektierten, respektvollen und verantwortungsbewussten Umgang mit den eigenen körperlichen und emotionalen Grenzen ebenso wie mit der sportiv in Anspruch genommenen Umwelt nahe. Zudem kann der ‚Wertekatalog‘ der Traceure auch Empfehlungen für das soziale Miteinander enthalten – also beispielsweise einen sensiblen Umgang mit den Grenzen anderer Menschen, insbesondere mit Blick auf die ‚sonderbaren‘ Tätigkeiten von Traceuren in öffentlichen, halböffentlichen und/oder privaten Räumen, als moralische Basis für den Parkoursport voraussetzen. Die natürlichen oder gebauten Räume, die für den Sport in Anspruch genommen werden, dürfen durch die Nutzung nicht verändert werden, was bedeutet, dass Beschädigungen unter allen Umständen zu vermeiden sind. Viele Traceure zeigen außerdem eine grundlegend offene Einstellung gegenüber Neuem und Fremdem: neue Orte werden als Möglichkeitsräume gesehen, neue Sportarten können der Bereicherung des eigenen Bewegungsrepertoires dienen, neue Bekanntschaften werden als Potential für solide und konstruktive Beziehungsstrukturen anerkannt.
Es gilt zudem als Konsens in der Szene, dass es in der Ausübung von Parkour darum geht, ein gutes Gespür für die Belastungs- und Leistungsgrenzen des eigenen Körpers zu entwickeln: Individuelle Grenzen sollen schrittweise erfahren und zugunsten der eigenen Sicherheit respektiert werden. Selbstüberschätzung der eigenen Fähigkeiten wird in der Szene als große (weil: unverantwortliche) Schwäche angesehen. Insofern steht ein sehr kreativer und spielerischer Umgang mit der Umwelt einer ernsthaften, sicherheitsorientierten und verantwortungsvollen Ausübung des Parkoursports gegenüber, wobei der eigene sportliche Entwicklungsstand kontinuierlich zu reflektieren bleibt. Erst auf dieser Basis aus besonnener Selbsteinschätzung – verbunden mit langfristig ausdauerndem Training – eröffnen sich für Traceure die am Parkoursport hochgeschätzten Möglichkeiten, sich in der Bewegung in urbanen oder natürlichen Räumen von Zwängen zu befreien, Freiheitsräume zu erleben, auszudehnen und zu legitimieren. Weitestgehend Einigkeit besteht auch darüber, dass Parkour nicht dem Wettbewerb dienen soll. Im Idealfall soll ein Traceur den Sport in erster Linie ‚für sich‘ sowie ‚um seiner selbst willen‘ ausüben und damit keine Außenwirkung erzielen wollen. Das sportliche Element der ‚Konkurrenz’ sollte (aus Sicht der Mehrheit der Traceure) nachrangig sein und in verantwortungsbewusster wie konstruktiver Weise ausgeübt werden. Die Ablehnung eines Wettkampfcharakters von Parkour wird vor allem damit begründet, dass unter Wettkampfbedingungen (unter Umständen) die notwendige Konzentration auf die ausgeführten Bewegungen vernachlässigt werden könnte. Mittlerweile spaltet sich die Parkourszene in mehrere Lager, in denen unterschiedliche Spielarten der »Kunst der Fortbewegung« praktiziert werden: Doch auch innerhalb der definitorischen Grenzen des ‚eigentlichen Parkour‘ können unterschiedliche Einstellungen bezüglich der Ausübung im öffentlichen und privaten Raum sowie unterschiedliche Auslegungen der Parkour-Philosophie ausgemacht werden. Ein großer Teil der Traceure vertritt die Ansicht, dass im Sinne einer größtmöglichen öffentlichen Akzeptanz des Parkour, potentielle Konflikte bei der Nutzung und Aneignung von Räumen durch rücksichtsvolles, umsichtiges Sporttreiben sowie durch eine höfliche verbale Aushandlung mit Außenstehenden vermieden werden könnten und sollten. Dieser Haltung geht die Überzeugung voraus, dass Traceure darauf angewiesen sind, von anderen Raumnutzern und Raumeignern toleriert zu werden, um dauerhaft die Freiheit genießen zu können, ihre Bewegungskunst auszuüben. Durch ein negatives Image der Szene könnten derartige Freiheitsräume immerhin empfindlich eingeschränkt werden. Dagegen vertritt eine andere Szene-Fraktion (mit Rückbezug auf die ‚im Ghetto‘ liegenden Ursprünge des Parkour) die Auffassung, dass Parkour allen möglichen Widerständen aus den sozialen Umfeldern zum Trotz betrieben werden sollte – und spricht sich damit gegen eine Reglementierung des Parkour durch szeneexterne gesellschaftliche Gruppierungen aus, die als illegitime Beschränkung der Raum- und Freiheitsansprüche von Traceuren abgewiesen wird. Ebenso wird in dieser Szene-Fraktion die Ausprägung von stabilen bzw. institutionellen Strukturen – wie etwa Szenehierarchien oder Vereinsgründungen – mehrheitlich abgelehnt, da sie hierdurch die persönlichen Freiheiten der Traceure bzw. die Flexibilität der Parkour-Szene gefährdet sehen. |
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| Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 22. November 2009 ) |
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