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René Gründer: Blótgemeinschaften. Eine Religionsethnografie des ‚germanischen Neuheidentums’
Geschrieben von Thor Wanzek   
Mittwoch, 9. März 2011
Überraschende Perspektiven auf ein häufig mythisch verklärtes Heidenchaos eröffnet die Dissertation über die "Blótgemeinschaften" von René Gründer, der mit zahlreichen Vorurteilen aufräumt. Mehrere Jahre intensiver qualitativer Forschung bilden die Grundlage für seine bemerkenswerte Darstellung des germanisch inspirierten Neuheidentums im deutschsprachigen Raum. Die Zeit hat der Soziologe nicht nur genutzt, um mit zahlreichen Vertretern des "Asatru" in Gesprächen ihren je eigenen Zugang zu Spiritualität, Religiosität und Weltanschauung nachzuvollziehen, sondern um sie zu ihren Festen zu begleiten und an unterschiedlichen Blót-Riten teilzunehmen. Dabei ist er Menschen begegnet, die angesichts hochgradig komplexer Herausforderungen und zahlreicher Einflussquellen zwischen Wissenschaft und Populärkultur persönliche Varianten eines Heidentums zusammenbasteln und diese durchaus pragmatisch zu gestalten wissen. Die insbesondere von Seiten der organisierten Kirche befürchtete Ablehnung christlicher Werte trifft für rund die Hälfte der von Gründer befragten Neuheiden nicht zu. Und auch den Generalverdacht, dass es sich bei ihnen hauptsächlich um Modernisierungsverlierer handelt, die zu extrem rechten Ideologien neigen, kann der Forscher fundiert entkräften, indem er einen vielfältigen Wandel nachzeichnet: völkische Interpretationen eines "germanischen Neuheidentums" verlieren gegenüber ökospirituellen und insbesondere universalistischen Ausrichtungen an Boden. Auf der Werteebene rücken im Zeitalter der vermeintlichen Globalisierung vermehrt Werte wie Achtsamkeit und Verantwortung für das eigene Handeln in den Fokus und vertiefen den Wunsch, "im Einklang mit der Natur" zu leben auf persönlicher Ebene mit Augenmerk auf aktuelle Herausforderungen.

Weitere Informationen: igpp.de/german/eks/blotgemeinschaften.htm

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Archiv der Jugendkulturen erhält Kulturpreis 2010
Geschrieben von Annika Leichner   
Mittwoch, 23. Februar 2011
Die Kulturpolitische Gesellschaft vergibt ihren Kulturpreis 2010 an das Archiv der Jugendkulturen in Berlin. Der Kulturpreis der Kulturpolitischen Gesellschaft wird seit 1977 verliehen und versteht sich als Auszeichnung für innovative kulturelle Projekte und kulturpolitische Initiativen. Für die Auszeichnung mit dem Kulturpreis 2010 wurde das Archiv der Jugendkulturen ausgewählt, da es sich seit seiner Gründung im Jahre 1998 der Erforschung der vielfältigen Formen der Jugendkultur widmet und diesen eine symbolische Heimstätte verschafft hat, die bundesweit einmalig ist.

Die öffentliche Verleihung findet am Donnerstag, dem 24. Februar, in den Räumen des Archiv der Jugendkulturen in der Fidicinstraße 3 in Berlin-Kreuzberg statt. Um 18 Uhr finden Begrüßungen seitens Klaus Farin, Leiter des Archivs der Jugendkulturen, und Dr. Iris Magdowski, Beigeordnete für Bildung, Kultur und Sport der Landeshauptstadt Potsdam und Vizepräsidentin der Kulturpolitischen Gesellschaft, statt. Im Anschluss daran folgt ein Grußwort durch Prof. Monika Grütters, MdB, Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien des Deutschen Bundestages sowie Vorstandsmitglied der Kulturpolitischen Gesellschaft. Um 19 Uhr wird Prof. Dr. Ronald Hitzler vom Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie an der TU Dortmund eine Laudatio halten. Im Anschluss daran findet um 19:30 Uhr die Preisübergabe und eine Rede des Preisträgers statt. Die Veranstaltung wird musikalisch begleitet von Manfred Maurenbrecher & Band.
 
Neuauflage: Leben in Szenen
Geschrieben von Annika Leichner   
Mittwoch, 1. September 2010
© VS Verlag für Sozialwissenschaften
Kürzlich erschien die mittlerweile dritte und vollständig überarbeitete Auflage von "Leben in Szenen - Formen juveniler Vergemeinschaftung heute". Prof. Dr. Ronald Hitzler und Dr. Arne Niederbacher stellen in der aktuellen Auflage 20, statt bislang zwölf Szenen vor, haben eine moderate Aktualisierung der konzeptionellen Überlegungen vorgenommen und das Schlusskapitel deutlich umgearbeitet. Jugendszenen.com steht dabei natürlich als Textfundus im Hintergrund dieser Neuauflage.

Aus dem Inhalt: Szenen sind 'wolkige' Formationen: Sie sind ständig in Bewegung und ändern fortwährend ihre Gestalt. Aus der Ferne scheinen die Ränder scharf zu sein und eine klare Gestalt zu ergeben. Je mehr man sich ihnen nähert, desto stärker jedoch verliert sich dieser Eindruck. Abgrenzungen erweisen sich als äußerst diffus, die Ränder überlappen sich mit anderen Szene-Rändern oder erstrecken sich – nach unterschiedlichen Richtungen ausfransend – in heterogene Lebensstilformationen und Publika hinein. Natürlich können Szenen gleichsam als Sozialisationsagenturen im Dienste der Erwachsenen-Gesellschaft fungieren. Vor allem aber spannen Szenen eigenständige kulturelle Räume auf, die von Menschen getragen werden, welche wir durchaus als 'Jugendliche' bezeichnen können, aber eben in einem für Erwachsene typischerweise recht unbequemen Sinne: Jugendliche im dabei implizierten Verstande sind nicht grundsätzlich junge Menschen – auch wenn ihr Alter (noch) sehr häufig zwischen 15 und 25 liegen mag.

Die dritte und überarbeitete Auflage kann man sowohl beim VS Verlag als auch über Amazon bestellen.

Quelle: VS Verlag
 
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