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(c)Julian (Flickr-user nottonnightpls)
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Auch in der „Indie- Szene" finden sich im Kern jene statushohen „heavy user", Personen mit besonderen Positionen und außerordentlichen Wissensvorräten, welche (bildlich gesprochen) den Standardwissensvorrat des „Indies auf der Straße" weit übersteigen. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass das Streben nach Anerkennung innerhalb der jeweiligen Szenegemeinschaften der Motor vertikaler Mobilität, d.h. von Statuszuschreibungen und Privilegien, schlechthin ist. Dabei wird Anerkennung maßgeblich über die beschriebenen besonderen Breiten- und Tiefenwissensbestände erlangt, welche in ausführlicher, zeitintensiver und leidenschaftlicher Nachforschung und Recherche in einschlägigen Medien angesammelt und schließlich über verschiedenste Wege und Medien mitgeteilt werden. Mit Tiefenwissen wird die Kenntnis ganz detaillierter, wenig bekannter Insiderinformationen zu den Bands oder der Szenegeschichte bezeichnet. Breitenwissen dagegen zielt auf den möglichst umfangreichen Überblick über eine tunlichst unerschöpfliche Zahl an Bands und Künstlern. Damit ist die Aktualität der Informationen insgesamt ungemein wichtig, denkt man an die kurze Halbwertzeit der musikalischen Entdeckungen (siehe: Rituale). Und es wird nun deutlich wie nötig und teils tragisch im Zusammenspiel mit dem Statusstreben damit der regelrechte „Verbrauch" von musikalischen Entdeckungen ist, wenn man Tendenzen der Kommerzialisierung und der Vermassung durch mediale Hypes in den Blick einbezieht. Mitteilungen und Inszenierungen gegenüber anderen Szenemitgliedern erfolgen natürlich maßgeblich über Auftritte gleichermaßen in der unmittelbaren (interaktiven) Offline-Umwelt und mittels Online-Repräsentationen auf Blogs, Foren oder in Artikeln und Berichten in Fanzines. Der ganz alltägliche wie auch - z.B. auf Events - gleichsam außeralltägliche Blick der anderen Szenemitglieder bietet allerdings auch Raum für das Schmücken mit begehrten und erlebnisträchtigen (bekleidungsstilistischen) Utensilien: Denn auch der Besitz rarer Band-T-Shirts, exotischer Buttons oder regelrechter Konzert-Devotionalien (etwa das Plektrum des Lead-Gitarristen der geschätzten Band) nuancieren die eigene Persönlichkeit und zeugen von erheblichem praktischem Erfahrungswissen aus Konzertbesuchen und Bandkontakten.

Da innerhalb der Szenegemeinschaften und in den Verbreitungsmedien der Szene immerfort ausgehandelt und definiert wird bzw. aus Sicht der Szenezugehörigen diskutiert werden ‚muss‘, was als „indie" gelten darf und was nicht, was beispielsweise zu kommerziell, zu elektronisch, zu unverbindlich, zu unnahbar usw. ist, nimmt ein hoher Status eine unvergleichlich richtungweisende Funktion ein. Denn ein solcher (hoher) Status bescheinigt dem auf diese Weise profilierten „Indie" eine enorme Deutungs- und Reflektionskompetenz. Diese muss sich nicht unmittelbar im Einnehmen etwaiger Organisations- oder Redaktionstätigkeiten oder in einem Engagement als DJ artikulieren. Der behände und meist sogar kostenfreie Rückgriff auf die Darstellungsmöglichkeiten im Internet sorgt für ein beachtliches internationales (Austausch-)Netzwerk, welches insgesamt die Szene bestimmt.

Die beschriebene unaufhörliche Suche nach „frischer", noch wenig bekannter Musik führt zur Ausweitung und Aufweichung der musikalischen Fassbarkeit von „Indie". Prominentes Beispiel dafür ist z.B. „Indietronic", eine Musikform, die stark auf elektronische Elemente setzt und damit eigentlich einem „traditionellen" Verständnis von „Indie" widersprechen würde, welches „Indie" als Gitarrenmusik bezeichnet. Der Diskurs um die Enge und Weite der Definition von „Indie" ist der Szene immanent und treibt ihren Wandel voran. Jedoch stellen Vermassung und Ausweitung der „Indie- Szene" eine große Herausforderung für diese dar. In dieser Hinsicht wird abzuwarten sein, ob die Szene z.B. über die Bildung von Subszenen bestehen bleibt oder ob sie von fremden Szenestilen durchsetzt und damit assimiliert wird.

Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 5. April 2009 )
 

Redaktion Indie

Paul Eisewicht
Tilo Grenz

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