| Rituale |
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Rituale lassen sich als handlungspraktische Signalisierung exklusiver Gemeinschaftszugehörigkeit verstehen. Die „Indie-Szene" weist einen typischen Basisvorrat ritueller Alltagspraktiken auf, welche in den lokalen Szenegemeinschaften einzeln oder oft auch gemeinsam verfolgt werden. Auf der bereits beschriebenen Grundlage des Fokus auf möglichst unbekannte Musik (aber natürlich auch immer wieder auf die bekannten musikalischen Standards, wie die bereits erwähnten „Arctic Monkeys", „Franz Ferdinand", „Bloc Party", „The Shins" usw.), der aber gleichzeitig hohen Genreoffenheit und dem zudem unerschöpflich großen Angebot, ergibt sich eine (nahezu tagtäglich) eifrig verfolgte Recherche nach neuer Musik. D.h. es werden möglichst kleine, jeweils als musikalisch-einmalige und neuartige empfundene Bands aufgespürt, welche dem „Indie- Freundeskreis" vorgestellt werden können (oder zuweilen auch in innigster Verbindung als Kleinod protegiert werden). Die andauernd einzigartig-neuen musikalischen Fundstücke besitzen für den „Indie" damit eine stark verminderte Halbwertszeit. Die auf diese Weise unermüdlich angetriebene Recherche wird über die einschlägigen Verbreitungsmedien wie die unzähligen Internet- Blogs und Musikportale (v.a. Myspace.com) verfolgt, aber auch auf regelrechten Pirschgängen in idealerweise kleinen „Plattenläden", wo die „Independent"- Regale nach immer neuen Exoten durchforstet werden. Nicht selten werden gar eigene Recherche- Blogs im Internet geführt und der interessierten Szenegemeinschaft auf diese Weise die Funde präsentiert. Gerade für den „Indie" ist die Wirkung digitaler Musikformate und dessen denkbar einfacher Zugänglichkeit über das Web bzw. Tausch gar nicht zu unterschätzen. Umso spannender jedoch ist die nach wie vor hohe Bedeutung des Besitzes von CDs aber auch LPs, welche obendrein nochmals eine zusätzliche Wertschätzung erfahren, wenn sie auf Konzerten erstanden wurden. Die Ergebnisse der Recherchen werden in den Cliquen und Freundeskreisen kommuniziert und gemeinsam beurteilt. Zudem wird das Ritual des Erstellens (persönlicher) „Mixtapes" (ob in Form von CDs oder Mp3- Alben, teils gar noch standesgerecht auf Kassette) gepflegt. Hier werden geradezu kunsthandwerklich und nach gezielten Plots einzelne Songs verschiedenster Alben zusammengestellt, die manchmal sogar auf eine bestimmte Person hin abgestimmt sind. Damit verbindet sich oft auch eine kreative Komponente, wenn etwa ausgefallene Cover hingebungsvoll selbst gestaltet werden. Ein ausgewogener, als gelungen empfundener Sampler ist einer der wichtigen Auszeichnungen eines Connaisseurs der Szene. Ein außerordentlich verbindendes Moment der Bezeugung eines exklusiven Wir-Gefühls stellt die ausführliche und oft chronologisch fortgeführte bildliche und schriftliche Dokumentation gemeinsamer Unternehmungen, wie z.B. das Besuchen von Clubkonzerten dar. Auch für „Indies" lässt sich die nahezu flächendeckende Ausstattung mit kamerafähigen Handys durchaus als Standard bezeichnen. Mithilfe dieser technischen Ausstattung werden die Zeugnisse geselliger Szenetreffs und besonderer Konzertbesuche gängigerweise auf Video-Communities, eigenen Blogs oder in professionalisierter Form der Konzertberichterstattung auf eigenen Fanzine-Seiten präsentiert und munter gegenseitig kommentiert. |
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| Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 5. April 2009 ) |
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