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(c)Tilo Grenz & Paul Eisenwicht
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Aufgrund der besonderen Position zwischen „Pop" und „Anti-Pop", ob man ihn subkulturell oder alternativ nennen mag, weist die „Indie- Szene" vielfältige ambivalente Beziehungen zu anderen Szenen bzw. Szenekulturen auf. „Popper" und „Indies" begegnen sich so selbstverständlich, wie „Alternative" und „Indies". Aufgrund der spannungsreichen Lage der Szene sind jedoch v.a. weitreichende Abgrenzungen gegen andere Szenen zu beobachten, die allerdings auf der Beziehungsebene über die Abwertung und Meidung entsprechender Zugehöriger anderer Szenen nicht hinausgehen.

Auf der einen Seite stehen „Indies" also gleichsam der Hydra des „Mainstream" gegenüber, welche durch Größe und Masse repräsentiert wird. Die für den „Indie" offensichtlichen Moden der „Mainstreamkultur", d.h. beispielsweise auch die beim Massenpublikum angekommenen, ursprünglichen „Indie-Songs" oder „-Bands", werden demzufolge häufig gar aufgrund ihrer erlangten Popularität als eingebüßt verstanden. Massentauglich sind zudem die riesigen „Megaevent-Festivals" (siehe: Events). Auch von diesen grenzen sich „Indies" prinzipiell ab und meiden sie zugunsten kleinerer Festivals und Veranstaltungen. Die angestrebte Kleinteiligkeit bzw. Kleingruppenorientierung der Szene, die durch die Vermassung der Szene ideell stark strapaziert wird, drückt sich nachgerade in der geforderten Distanz zu allgemeinkulturellen Gütern aus.

Auf der anderen Seite akzentuiert der „Indie" seine Position auch gegenüber anderen Szenen. „Techno" und „Hip-Hop" sind dabei die schärfsten Kontrastfolien zum „Indie". Indies distanzieren sich dabei nicht nur von der als zu „prollig", zu schnellen und zu „harten" Liedgestaltung und von „sinnfreien" oder „frauenfeindlichen" und „posenden" Liedinhalten. Missbilligung wird vielfach auch generell gegenüber dem zugeschriebenen Lifestyle zum Ausdruck gebracht, z.B. (gegenüber vorurteilsbehafteten ‚Images‘, wie) dem des verantwortungslosen, drogenbereicherten Spaßes von „sexbetonten Technoiden", die es zu monotonem „Gestampfe" in die Großraumdiskos zieht. Es sind aber auch Abgrenzungen von „alternativen" Szenen wie „Punk" und „Emo" zu finden. Am „Punk" wird vor allem die als überflüssig bedachte pauschalisierte Gegenposition zur Gesellschaft kritisiert, wohingegen „Emos" in ihren gesteigert-emotionalen Ausdrücken als übertrieben, schwülstig und theatralisch empfunden werden und damit als unauthentisch gelten.

Diese Reihe an Beispielen zeigt vor allem, welch enorme Bedeutung die Verortung durch eine Bezugnahme zu anderen Szenen für die Konturierung und Ausformung des Profils der eigenen Szene hat. In dieser Distinktionspraxis, also in einem jeweils mehr oder weniger als stark bzw. deutlich erkennbar thematisierten Kontrast gegenüber anderen Szenen, stabilisieren sich (im Wesentlichen) die je eigenen spezifischen Deutungsmuster des „Indies".

Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 5. April 2009 )
 

Redaktion Indie

Paul Eisewicht
Tilo Grenz

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