| Medien |
|
|
Wie bei vielen Szenen spielt das Internet auch für die „Indies" eine zentrale Rolle. Über globale Netzwerke wie vor allem „MySpace", „Last.fm", aber auch Wikis wie „Indiepedia", Blogs und Internetmagazine, wie z.B. „Rote Raupe", werden Tourdaten und Hörproben oft direkt beim Künstler bezogen. Hier lassen sich auch stets neue, noch unbekannte Bands, Alben und Lieder entdecken und Hintergrundinformationen über Künstler gewinnen. Der direktere Kontakt zu Bands, die Vielfalt, Dynamik und Reaktionsgeschwindigkeit des Internets eignet sich bestens für die Mitglieder einer Szene, die in ständiger Neu- und Wiederentdeckung von Musik einen zentralen Bestandteil ihrer Aktivitäten sieht. Außerdem dienen etwaige Plattformen aber selbstverständlich auch der Vernetzung der Szenegänger untereinander, dem Empfehlen und Besprechen von Musik, der Selbstdarstellung, dem globalen Informationsaustausch und dem Verabreden zum gemeinschaftlichen Erleben von Konzerten. Daneben sind aber auch immer noch traditionelle Printmedien innerhalb der Szene von Bedeutung. Szeneweit besitzt der englische „New Music Express", kurz „NME", einen großen Einfluss, der sich nicht nur aus seiner Wirkungsgeschichte sondern auch aus seiner Rolle bei der Entdeckung neuer Musik speist. Unter den deutschsprachigen Magazinen sind es vor allem die „Spex", die kostenlose „Intro", der „Musikexpress" oder „UncleSallys". Es handelt sich hier vorrangig um Musikmagazine, die Interviews und Kritiken über Neuveröffentlichungen publizieren. In einigen dieser Zeitungen finden sich auch vermehrt Modestrecken. Es zeigt sich also, dass die Rolle der Verbreitungsmedien aufs Engste mit der Musik, deren Künstlern und der Kleidung verzahnt ist. Online- und Printmedien sind die meistgenutzten Verbreitungsmedien und für zwei szeneweit wirkende Mechanismen notwendig, Hype und Standardisierung der Musik. Das Phänomen des „Hypes" beschreibt eine rasant ansteigende mediale Aufmerksamkeit gegenüber bestimmten Künstlern und eine extrem positive Bewertung der Produkte, die diese hervorbringen. Dem folgend verbreitet sich entsprechend „gehypte" Musik schnell innerhalb der Szene, was meist zu weiterer Aufmerksamkeit, auch bis in den „Mainstream" hinein, und großem kommerziellen Erfolg der Künstler führt. Die individuelle Wahrnehmung, also die relativ zur Umwelt gemessene Reaktionszeit eines „Hypes" dient dabei als Ortungssignal des eigenen Szenestatus und der Versicherung der Zugehörigkeit zur Szene. „Hypes" treiben so chancenhaft den steten Wandel der Szene voran. Im Ausgleich, um eine allgemeine Verständigung innerhalb der Szene über die Musik zu ermöglichen, ist die Standardisierung von szeneweit relevanten Wissensbeständen notwendig. Hier ist vor allem Wissen über Musik und Kleidung gemeint, durchaus aber auch national bekannte Events, wie jährlich stattfindende Festivals oder auch landesweit bekannte Klubs der Szene. Dabei ist die Relevanz des Wissens durch ihren geschichtlichen Stellenwert festgesetzt oder aber durch das Auslösen eines entsprechend großen „Hypes", wie z.B. bei Szeneklassikern wie „Franz Ferdinand". Vergangene „Hypes" gerinnen somit also potentiell zu (musikalischen) Szenestandards, sofern z.B. in neuen „Hypes" oder generell der „Indie-Musik" und den Verbreitungsmedien Vergleiche zu der auf diese Art standardisierten Musik gezogen werden können. Ein wenig skeptisch äußert sich etwa David Brewis der Band „Field Music" in einem Interview der „Intro" über diese Vergleichsvorliebe: „"Weil wir Indie sind", sagt David, "denken die Leute, wir müssten klingen wie Bloc Party oder die Kaiser Chiefs" (vgl. Intro.de ). Darüber, dass gefundene Musik an den Szenestandards relationiert wird, lassen sich Rechtfertigungen finden, diese als „indie" zu bezeichnen. Ganze „Bandkreuzungen" lassen sich darüber konstruieren, um anderen Szenemitgliedern diese Musik schmackhaft zu machen. Gleichzeitig sichert diese Form der Anbindung neuer Musik, dass der Szene und ihren Merkmalen über die Zeit hinweg eine gewisse Kontinuität zugeschrieben werden kann. „Hype" und Standardisierung sind somit wichtige Elemente die für Stabilität und Wandel der Szene unabdingbar sind. Für den überregionalen bis globalen Austausch innerhalb der Szene werden dabei differenzierte und hoch entwickelte Verbreitungsmedien genutzt.
|
|
| Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 5. April 2009 ) |
|
jugendszenen.com (seit 2002) |