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(c)Meaghan (Flickr-user Meg R)Der Begriff „Indie“ ist vom englischen „Independent“ abgeleitet und bedeutet „unabhängig“. Anfangs diente die Bezeichnung „Independent“ der Abgrenzung ‚kleiner‘, selbstgegründeter Musikverlage gegenüber ihren konzernförmigen Konkurrenten – den sogenannten „Major-Labels“. Zu den „Majors“ gehören heute die „Warner Music Group“, „EMI“, „Sony Music“, sowie die „Universal Music Group“. Daran anschließend setzte sich „Indie“ als Selbstbezeichnung für diejenigen Menschen durch, die die Musik von Independent-Bands und –Labels präferieren und damit eine besondere Lebenseinstellung und einen umfassenden Lifestyle verbinden. Obwohl „Indie-Musik“ von jeher als unabhängig von wirtschaftlichen Zwängen inszeniert wurde, findet sie sich heute (nicht selten) dennoch in den Charts wieder. „Indie-Künstler“ sind längst auch bei den „Majors“ unter Vertrag. Dieser Umstand erzeugt nicht mehr unbedingt oder selbstverständlich eine rigorose Ablehnung erfolgreicher ‚Indie-Hits‘ unter den Indies. Daraus mag sich die Frage ergeben, was „Indie“ als Musik und als Szene heute überhaupt (noch) ausmacht: eine Frage, die nicht nur von „außen“ an die Szene immer und immer wieder gestellt wird.

Spätestens seit ihrem ‚Revival’, das in Deutschland etwa zur Zeit der Jahrtausendwende zu beobachten war, präsentiert sich die Indie-Szene durch einen relativ einheitlichen Lebensstil und eine charakteristische Alltagspraxis. Dabei zielt die als konstitutiv aufzufassende Selbst- und Kollektivbezeichnung als „Indie“ über den Code der Unabhängigkeit ausdrücklich auf die hochgeschätzten Motive der Eigenständigkeit, Selbstorganisation und Selbstständigkeit ab. Szenezugehörige grenzen sich ganz maßgeblich von alledem ab, was szeneintern als nicht authentisch, nicht unabhängig, massenhaft, allseits bekannt und demnach nicht individuell gedeutet wird. Jedoch, was ist in einer Zeit unzähliger, differenzierter jedoch parallel existierender Weltanschauungen, Lebensstile und Moden, Wertevorräte und möglicher Verhaltensweisen überhaupt noch bzw. schon nicht mehr individuell und populär? Die Klärung dieser Frage gestaltet sich umso schwieriger, denkt man an die rasanten Dynamiken des heutigen Musikmarktes sowie die Geschwindigkeit, mit der Trends, Moden und Stile jeglicher Art heutzutage medial verbreitet werden (können). Und so erlegt sich die „Indie- Szene den Zwang andauernder Abgrenzungen gegenüber einem vielköpfigen Gegner auf, welcher jedoch unmittelbar aus der Flüchtigkeitslogik der Gegenwartsgesellschaft selbst erwächst, aus dem „Mainstream“.

„Indie“ als Musikrichtung bezeichnet eine primär gitarrenfokussierte Spielart von „Rock“ und „Pop“, welche als Merkmale (teils) anspruchsvolle, introspektive Texte wie auch oftmals tanzbare Melodien umfasst. In seinen Spielarten von „Indie-Pop“ wie „- Rock“, die sich in erster Linie durch kräftigere Gitarren und roheren Sound bei Letzterem auszeichnet, hat es tendenziell eine anti-maskuline Einstellung. „Indies“ sehen sich als Teil einer in weiten Teilen alternativen, aber nicht rebellischen Szene, welche sich als Reaktion auf den „Burn-out des Widerstandes“ verstehen lässt. Anhand der Charakteristika seiner weichen Naivität, seiner persönlichen Melancholie, seiner geistigen Andersartigkeit, seiner Kantigkeit und seiner Lo-Fi“-Haltung wird der Versuch erkennbar, „Indie“ als massentechnisch inkommensurabel darzustellen (siehe dazu ausführlich: History, Strukturen).

Einen ersten Überblick über die gegenwärtige musikalische Entwicklung Szene soll der nachfolgende Sampler bieten, der aus kostenfreien Quellen aus dem Internet zusammengestellt ist.

Intro

01 Voxtrot – The start of something (www.voxtrot.net)
02 The Strokes – Last nite (mp3.insound.com)
03 The Arctic Monkeys – I bet you look good on the dancefloor (mp3.insound.com)
04 Die Türen – Indie Stadt (www.staatsakt.de)
05 Tocotronic – Freiburg (live) (www.tocotronic.de)
06 Peter, Bjorn And John – Young folks (betterpropaganda.com), Download rechts
07 Franz Ferdinand – Darts of pleasure (mp3.insound.com)
08 Billie the Vision & The Dancers – Good and bad (www.billiethevision.com)
09 Belle and Sebastian – Storytelling (mp3.insound.com)
10 The Postal Service – Such great heights (www.postalservicemusic.net), unter Downloads, Music
11 BrightEyes – Lua (www.saddle-creek.com)
12 Bloc Party – Banquet (music.download.com

Letzte Aktualisierung ( Freitag, 24. April 2009 )
 

User Comments

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Nicht nur das. Es scheinen auch zahlreiche Szenen aus der Mode zu kommen oder nur in stark 'degenerierter' Form weiterzubestehen (siehe 'Schwarze Szene', die mit Wave und Gothic so gut wie gar nichts mehr verbindet. Dort wird nur noch der Vermarktung wegen mit obsoleten Genre-Bezeichnungen jongliert, musikalisch gibt es überhaupt keinen Zusammenhang mit dem, was früher Gothic war und dem, was heute den Leuten als Gothic vermarktet und als DIE Szenemusik vorgegaukelt wird. In den meisten Fällen ist das nämlich nichts anderes als angepoppter Heavy Metal und minderwertige Dance Music).

Andererseits scheinen neue 'Kulturen' zu entstehen, denen essentielle Basismerkmale vollständig fehlen. Vieles definiert sich nur noch über die Mode und nicht, wie früher, über die Musik. Emo, Visual Kei und der Japan-Lolita-Trend mal als Beispiel genannt. Dort ist Musik völlig nebensächlich.

Letztlich sind viele Szeneportäts nicht mehr aktuell und repräsentativer für die 90er. Die 2000er halte ich inzwischen für undefinerbar. Denn prinzipiell gibt es nur noch einen riesigen Flickenteppich mit Leuten, die von jeder Szene das Beste herausklauen und neu zusammensetzen, oftmals auch ohne sich vorher mit der jeweiligen Kultur auseinandergesetzt zu haben.

Veröffentlicht von Krümelchen, An 11/27/2009 bei 01:20

schöne Auswahl an Songs ;-)

Aber ansonsten bin ich der Meinung, das man nicht ständig versuchen sollte zwanghaft 'Jugendkulturen' zu definieren. Zum einen gibt es sowieso Überlappungen die eine Abgrenzung einzelner 'Jugendgruppen' nicht mehr erlaubt und zum anderen machen sich die 'Anhänger' einer dieser Gruppen garnicht so viele Gedanken drüber was sie eigentlich ausdrücken möchten wie die Kolumnisten es hier tun.

Let'y be yourself. That's it.

Veröffentlicht von Al, An 11/17/2009 bei 10:10

Ihr verwechselt den weitumfassenden Begriff 'Indie' mit Alternative Rock. Was hier beschrieben wird, ähnelt einem Sammelsurium aus Noise Pop, Grunge, Neopsychedelia und Hamburger Schule. Dazwischen bammelt dann ein wenig 'Neo-Post-Punk' à la Interpol herum.

Indie bzw. Independent - und das belegen hunderte, wenn nicht gar tausende alter Zeitschriften der 80er und 90er - umfasste sowohl oben erwähnte Stile als auch:

Punk,
Gothic Rock und Dark Wave von Siouxsie bis Sisters,
Shoegazing à la Slowdive und My Bloody Valentine,
Madchester à la Stone Roses und Happy Mondays,
Post-Industrial à la Cabaret Voltaire,
Crossover à la Ministry,

...und Teile der elektronischen Musik. Letzlich wurden damalige Events, auf denen auch Wave, Gothic oder EBM liefen, als Indie-Partys bezeichnet.

Der Begriff 'Indie' lässt sich also kaum auf Chucks, Streifenhemden und verwuschelte Frisuren reduzieren (zuviel The Jesus & Mary Chain 'Just Like Honey' geschaut?). Trotz der Mühe wirkt das hier wie die Wunschvorstellung eines Einzelnen, aber nicht wie ein historisch korrektes Porträt.

Veröffentlicht von Krümelchen, An 11/06/2009 bei 11:09

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