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Bei der „Indie-Szene" handelt es sich um eine musikfokussierte Szene. Damit kursiert im Mittelpunkt der gemeinschaftlichen Aktivitäten der Bezug auf die so vielgestaltige und mannigfach vorliegende, intensiv nachrecherchierte und jeweils möglichst massenkulturell-ungeteilte „Indie-Musik". So zeigt sich hieran die herausragende Bedeutung des alltäglichen Austausches zwischen den Szenemitgliedern, ob dieser nun face-to-face oder medial vermittelt erfolgt. Denn die brandneuen Informationen über die noch gänzlich unbekannte neue Band, welche etwa eben erst auf „MySpace" oder in einem Fanzine aufgestöbert wurde, oder anstehende Tourneen, oder Bandauflösungen, oder die kürzlich gefundenen künstler-biografischen Neuigkeiten, all das will in den alltäglichen Interaktionen kommuniziert werden und stellt sozusagen das Material alltäglicher Vergemeinschaftung dar. Und so bilden sich vermittels zeitintensiver Recherche und ungebremster Erfahrungsleidenschaft emsig „Indies" mit geradezu lexikalischem Tiefenwissen zur Geschichte des „Indie" und womöglich ebenso beeindruckendem aktuellem Informiertheitsgrad heran, mit stets wachem Blick auf alles Neue, was auf dem schier grenzen- und rastlosen internationalen „Indie- Basar" vor sich geht. Diese Verbindung von umfassenden Hintergrundkenntnissen und unbedingter Aktualität ist im Grunde der Motor der Szene schlechthin. Die außerordentliche Geschwindigkeit dieses Wissens- und Kompetenzerwerbs aber vor allem auch -austauschs (vermittels gemeinsamer Verständigungen über Musikgeschichte und aktuelle Trends in den lokalen Szenegemeinschaften bzw. Cliquen) ist eines der besonderen Charakteristika der „Indie-Szene". Trotz der nach außen hin wahrgenommenen „ausfransenden" Genregrenzen finden sich sozusagen intern relativ feste musikstilistische und vor allem inhaltliche Ausschlusskriterien, welche sich unmittelbar aus dem charakteristischen Wertekanon (siehe: Einstellungen) heraus ergeben. Allerdings erlauben genau jene konkreten Wertereferenzen, wie etwa die hohe Bedeutung der Echtheit, Natürlichkeit und Unabhängigkeit (beispielsweise in der Vorliebe von alltagsweltlich nachvollziehbaren Lyrics und einem „Do-It-Yourself"-/„Lo-Fi"-Charakter der Musik) überhaupt erst das Erkennen, Erschließen und Selegieren aus dem explosionsartig wachsenden Überangebot an Weltanschauungen, Musik- und Kleidungsstilen. Was den „Indies" landläufig als Arroganz der andauernden Abgrenzung gegen alles und jeden zugeschrieben wird ist also im Kern für die Szene und ihren Bestand unabdingbar. Gleichermaßen erfordert jenes Abgrenzungshandeln von jedem einzelnen bestimmte Interpretationsleistungen (z.B. ob etwa der hochaktuelle Elektrotrend noch bzw. schon „indie" ist?). Das Vertreten oder Darstellen dieser persönlichen Beurteilungen vor der eigenen Clique bzw. anderen „Indies" ist dann immer auch ein Stück weit ein Risikofaktor. Denn ob die Deutung ankommt oder nicht, entscheidet sich erst in der gemeinsamen Aushandlung. Andere, jedoch nach unserer Einschätzung nicht weniger dazugehörende, Szenemitglieder akzentuieren ihren Szenealltag weniger entlang umfassenden Wissens bzw. Recherche nach jenem, sondern verfügen über ein durch die Szene bereitwillig zur Verfügung gestelltes Basiswissen an szenegeschichtlichen und musikalischen Standards, etwa über Bands wie „Franz Ferdinand" und „Bloc Party" (die möglicherweise für den „heavy user" aufgrund deren Bekanntheitsgrad schon gar nicht mehr „indie" sind). |
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| Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 5. April 2009 ) |
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