| Einstellung |
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Der recht weit in den Alltag des „Indies" hineinwirkende allgemeine und vielfach übersetzbare Werteapparat lässt eine ganze Reihe konkreter, auf jeweils ganz bestimmte Urteilsobjekte gerichtete Einstellungen entstehen, welche sich in bestimmten Orientierungen widerspiegeln. Tragend sind hier vor allem die vielen kommunikativen Abgrenzungs-Bekundungen gegenüber anderen Gesinnungen (ganze musikalische Genres, konkrete (Musik)Szenen oder gar von Einzelpersonen) und die Ausrichtung der alltäglich gehörten Musik und getragenen Kleidung bzw. Accessoires. All dies findet seine szeneinterne Legitimation letztlich über die Verknüpfung mit den zentralen Werten. Unter jenen umfassenden Werten lässt sich zuvorderst die alle Lebensbereiche durchscheinende Wichtigkeit der Natürlichkeit und Unabhängigkeit finden. Die hohe Bedeutung, welche der „Indie" diesen Motiven zuweist schlägt sich beispielsweise nachhaltig im szenespezifischen Kleidungsstil bzw. Auftreten nieder, wenn etwa gezielt die abgenutzten „Chucks" oder „Vans" getragen bzw. die penibel zerwuschwelte Frisur zurecht gemacht wird. Spannenderweise zeigt sich hieran, dass die Natürlichkeit des Auftretens nicht selten zum Preis der (durchaus offensichtlichen) aufwendigen Herrichtung und Inszenierung hergestellt wird. Natürlich projiziert und speist sich Natürlichkeit, Echtheit, Ehrlichkeit ganz maßgeblich auch aus den musikalischen Hörgewohnheiten - etwa den bevorzugten „Lo-Fi-Style" der „Indie-Musik" und die aus Sicht von Szenegängern essentielle Anschlussfähigkeit der Lyrics bzw. ihrer textinhaltlichen Aussagen an eigene (Alltags)Erfahrungen und Emotionen. Dabei handelt es sich um Elemente, welche der Musik für den „Indie" eine ganz wesentliche Nahbarkeit, eben eine individuell nachvollziehbare Ehrlichkeit verleihen. Überdies werden Werteorientierungen entlang von Motiven der Zwischenmenschlichkeit und Harmonie bzw. Toleranz in den ganz alltäglichen Geselligkeiten durchsetzt und eingefordert. Seit einiger Zeit zeichnet sich eine auffällige Entwicklung ab, welche auf den Wellen von Vermassungs- und Kommerzialisierungstendenzen die Gesamtszene nachhaltig, ganz maßgeblich auch was das Verfolgen konkreter Einstellungen und Werte anbelangt, spaltet. Es handelt sich also bemerkenswerterweise um haargenau jene Tendenzen, welchen ursprünglich die so ausdrückliche Absage erteilt wurde und auch noch weiterhin explizit wird. Die folgenreiche Konsequenz jener Erscheinungen lässt den schrumpfenden Teil der ursprünglichen Szene - die „true believers" - aus der Szeneöffentlichkeit etwaiger Großevents (siehe Events) zurückweichen und immer kleinere und unentdeckte Clubs mit „privater" Atmosphäre für sich erschließen. Der anwachsende andere, primär eventorientierte Teil der Szene dominiert dagegen unter reflexartigem Rückgriff auf die bekannten stilistischen Attribute zunehmend die Szeneöffentlichkeit und erwähnten Großevents. Für Letztere werden die beschriebenen Werte und Einstellungen, d.h. vor allem deren subjektiv verinnerlichte Verbindlichkeit, offenbar zunehmend irrelevanter. |
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