Rituale E-Mail
Foto: Copyright© Attac.de
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Rituale lassen sich in der Globalisierungskritikerschaft sowohl bei internen Zusammenkünften als auch bei nach außen gerichteten Veranstaltungen beobachten.

Das augenfälligste Ritual bei internen Treffen manifestiert sich darin, dass Entscheidungen - korrespondierend mit der basisdemokratischen Orientierung der meisten globalisierungskritischen Gruppierungen - im so genannten Konsensverfahren getroffen werden. D.h. eine Entscheidung gilt genau genommen erst dann als endgültig beschlossen, wenn keine der an der Entscheidungsfindung beteiligten Personen ein Veto einlegt. In der Globalisierungskritikerschaft genügt es zur Durchsetzung eines Anliegens also nicht, wie bei einer üblichen Abstimmung, eine Mehrheit von der Richtig- bzw. Wichtigkeit der eigenen Meinung zu überzeugen, sondern es ist notwendig - z.B. durch ausdifferenzierte Argumentations-, Diskussions- und Überzeugungsfähigkeiten -, (nahezu) alle am Konsensfindungsprozess beteiligten Personen für das eigene Anliegen zu gewinnen. In der Praxis hat sich ein Festhalten am 'reinen' Konsensprinzip jedoch als ausgesprochen kontraproduktiv erwiesen, so dass hier Entscheidungen zumeist dann als beschlossen gelten, wenn die Anzahl der Vetostimmen unter 5% liegt. Bei nach außen gerichteten Veranstaltungen - insbesondere bei (Groß-) Demonstrationen - besteht das hervorstechendste Ritual im Singen bzw. Schreien von globalisierungskritischen Parolen und Slogans (wie z.B. "Gegen den Sozialabbau - organisiert den Kaufhausklau!", "Niedriglohn und Zwangsarbeit - dafür haben wir keine Zeit!"). Diese Praxis dient nicht nur dazu, die Forderungen, Anliegen und Kritikpunkte der Akteure lautstark zum Ausdruck zu bringen, sondern sie dient auch der Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls der Aktivisten. Auch die immer wieder beobachtbaren - mehr oder weniger gewalttätigen - Auseinandersetzungen zwischen öffentlichen Ordnungsmächten und Globalisierungskritikern haben oftmals einen rituellen Charakter, d.h. die Konfrontationen laufen, unabhängig von Zeit und Ort der jeweiligen Protestveranstaltung, mehr oder weniger immer gleich ab: Z.B. in Form des bereits erwähnten 'Katz-und-Maus-Spiels'. Hierbei versuchen Protestaktivisten die öffentlichen Ordnungsmächte - mit welchen Mitteln auch immer - zu provozieren, ohne sich dabei 'erwischen' bzw. dafür sanktionieren zu lassen, um schließlich eine erneute Provokation zu starten.
Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 27. November 2007 )
 

Redaktion Globalkritiker

Arne Niederbacher

Multimedia Globalkritiker

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