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"Druckraum" Foto: Carsten Schell
"Druckraum" Foto: Carsten Schell
Die Drogen-Szene besteht aus vielen lokalen Teilszenen, die - abgesehen von benachbarten Städten - wenig miteinander zu tun haben. In der Regel wechselt ein Junkie nicht in eine andere urbane Teilszene. Nicht unüblich ist hingegen eine Art „Drogentourismus" von Szenemitgliedern aus kleineren Städten bzw. ländlicheren Regionen in größere Städte, in denen die Drogen oft besser und preisgünstiger erhältlich sind.

Innerhalb der lokalen Szene spielt die Fähigkeit, die eigene ‚Sucht' unter Kontrolle zu behalten und handlungsfähig zu bleiben, eine wichtige Rolle. Je nach Durchsetzungsfähigkeit, Verhandlungsgeschick und Darstellungsvermögen gegenüber z.B. der Polizei kann ein Junkie ein höheres oder niedrigeres Maß an Ansehen in der Szene genießen. Dieser Status kann sich angesichts der Unwägbarkeiten des Szenealltags allerdings schnell ändern. Neben den Gefahren von Überdosierung oder Polizeiaufgriff spielt auch die Anwendung bzw. Erfahrung von Gewalt (auch bzw. vor allem unter Szenemitgliedern) eine wichtige Rolle für den Status bzw. das Selbstverständnis eines Junkies.

Auch die Art und Weise, wie man an Geld bzw. Drogen kommt, ist ein wichtiger Faktor im Hinblick auf die Position in der ‚Szenehierarchie'. Ein Szenemitglied, das in der Lage ist, größere Drogenmengen (mehrere Gramm) zu erwerben und gewinnbringend weiterzuverkaufen, erfährt beispielsweise eine vergleichsweise hohe Anerkennung, im Gegensatz etwa zu einem Junkie, der versucht, mit „Schnorren" über die Runden zu kommen. Zwiespältig wird die Prostitution als Geldquelle bewertet: Während diese Tätigkeit unter männlichen Szeneangehörigen ganz unten rangiert, gehen viele der Frauen mehr oder weniger regelmäßig dieser Tätigkeit nach. Zwar wird diesen Frauen von den sich nicht Prostituierenden häufig mit Geringschätzung begegnet, dennoch verdienen sie in der Regel mehr Geld und können sich das ‚normale' Szeneleben relativ problemlos leisten - wobei die Prostitution selbst wiederum weitere Belastungen und Gesundheits- sowie Sicherheitsrisiken mit sich bringt. Bei genauerer Betrachtung der Selbstpositionierung von Junkies wird deutlich, dass - vor dem Hintergrund der individuellen Rationalisierung des eigenen Verhaltens - die jeweilige Art der Geldbeschaffung zumeist als die jeweils „korrekte" bzw. moralisch einwandfreie interpretiert wird.

Weiterhin hat das Alter bzw. die Dauer der Szenezugehörigkeit als Differenzkriterium eine nicht unerhebliche Bedeutung. Wie in anderen Szenen grenzen sich auch bei den Junkies die erfahrenen Älteren von den jungen Einsteigern ab. Neueinsteigern wird aber oft nicht nur mit Geringschätzung, sondern zuweilen auch mit Besorgnis begegnet, insbesondere, wenn die Betreffenden in der Szene noch nicht fest verhaftet sind.

Stabile Gruppierungen sind für die Drogen-Szene weniger typisch als situative Koalitionen. Das ‚harte' Klima der Szene legt die Strategie nahe, Schwächen zu überdecken und Probleme bzw. deren Thematisierung zu umgehen. Die durchaus vielfältigen Beziehungen, Freundschaften und Cliquen haben dementsprechend oft einen eher kurzfristigen, zweckgebundenen Charakter.
Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 11. März 2008 )
 

Redaktion Drogenszene

Bernd Werse

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