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"Injektionsvorgang" Foto: Carsten Schell
"Injektionsvorgang" Foto: Carsten Schell
Von einem ‚Lebensstil' im Sinne einer selbst gewählten Gestaltung von Alltag und Freizeit kann in der Drogen-Szene angesichts der sozialen Ausgrenzung nur bedingt die Rede sein. Die Bedingungen der Illegalität bringen zum einen die quasi permanente Auseinandersetzung mit der Polizei und anderen Ordnungskräften mit sich, was häufig bereits den bloßen Aufenthalt an bestimmten Orten im öffentlichen Raum betrifft. Zudem hat ein Großteil der Junkies Erfahrungen mit Haftaufenthalten. Transaktionen des Drogenhandels und der illegalen Prostitution, aber auch anderweitige soziale Interaktionen in der Szene laufen häufig gewaltförmig ab. All diese Unwägbarkeiten des Junkie-Lebens werden in Kauf genommen, um weiterhin die positiv empfundenen Augenblicke der Drogenwirkung erleben zu können. Allerdings steht das ‚Erdulden' der elenden Bedingungen der Szene wohl auch nicht selten im Zusammenhang mit der individuellen Annahme einer Opferrolle, die bei vielen einen maßgeblichen Faktor für die Entwicklung der Drogenabhängigkeit darstellt.

Der Junkie-Alltag zeigt sich insgesamt als gleichzeitig von Eintönigkeit und Unberechenbarkeit geprägt: Täglich wendet ein Szenemitglied einen Großteil seiner Zeit für die Beschaffung von Geld und Drogen auf, daneben trifft man an den gleichen Orten stets mit den gleichen Leuten (andere Junkies, Mitarbeiter von Drogenhilfe und Behörden, Polizisten etc.) zusammen. Konterkariert wird diese Gleichförmigkeit von der ständigen Möglichkeit des Eintritts unvorhersehbarer Ereignisse, etwa der Tod oder die Verhaftung eines anderen Szenemitglieds, die Räumung von Treffpunkten durch die Ordnungskräfte, aber auch das Auftauchen einer besonders guten bzw. günstigen Drogenquelle. Während die Routine des Szenealltags in gewisser Weise einen „normalen" Arbeitsalltag unter anderen Vorzeichen widerspiegelt, ist das hohe Maß an Unsicherheit - früheren ‚lumpenproletarischen' Milieus nicht unähnlich - als spezifisches Moment der Drogen-Szene zu verstehen.
Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 11. März 2008 )
 

Redaktion Drogenszene

Bernd Werse

Multimedia Drogen

Drogenszene DROGENSZENE Die Drogen-Szene besteht aus vielen lokalen Teilszenen, die wenig miteinander zu tun haben.
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