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"Injektionsvorgang" Foto: Carsten Schell
"Injektionsvorgang" Foto: Carsten Schell
Man muss unterscheiden zwischen solchen Motiven, die für den Einstieg ausschlag-gebend sind, und solchen, die einen Ausstieg verhindern bzw. den Verbleib in der Szene begründen.

Was den Einstieg betrifft, gehen bei einem Großteil der Szenemitglieder ungünstige sozialisatorische Voraussetzungen mit einer erhöhten Bereitschaft einher, Drogen auszuprobieren bzw. fortgesetzt zu konsumieren, die gemeinhin mit Sucht und Verelendung assoziiert werden. Dabei spielt natürlich der Umstand, dass z.B. der Heroinrausch als extrem angenehme ästhetische Erfahrung wahrgenommen wird, eine bedeutsame Rolle zur Fortsetzung des Konsums bzw. der sukzessiven Integration in die Szene. Gleichzeitig muss die neue Lebenssituation, inklusive der Widrigkeiten eines Junkie-Lebens, positiver wahrgenommen werden als die zuvor vorhandene Lebenssituation.

Die physische Abhängigkeit, respektive das Auftreten von Entzugserscheinungen, spielt nur bedingt eine Rolle hinsichtlich der Verhinderung des Ausstiegs. Im Zusammenhang damit, dass viele „Drogenabhängige" verschiedene Substanzen in unterschiedlicher Regelmäßigkeit zu sich nehmen, hat sich gezeigt, dass die generelle Abhängigkeit von kurzfristiger Bedürfnisbefriedigung bzw. „Kicks" hier schwerer zu wiegen scheint. Außerdem liegt bei Junkies in der Regel ein hohes Maß an Gewöhnung an das Leben in der Szene mit ihren speziellen Formen der Kommunikation, Ökonomie etc. vor; ein „normales" Leben ist für viele bereits wegen der geringen Erfahrung mit einem solchen schwer vorstellbar.

Mit dieser unsichtbaren Barriere, die im Übrigen auch durch die starke Ablehnung der „Normalbürger" der Drogen-Szene gegenüber befördert wird, geht seitens der Junkies wiederum eine subjektive Abgrenzung gegenüber der Außenwelt einher. Oft liegt ein diffuses Selbstverständnis des Andersseins vor, ein Bewusstsein dafür, außerhalb der Gesellschaft zu stehen. Allerdings steht dieser klaren Distinktion kein entsprechendes positives Wir-Gefühl gegenüber, so dass insgesamt der Eindruck einer ‚halbierten Gemeinschaft' entsteht, die nach innen hin nur begrenzt eine positive (kollektive) Identität entwickelt und oftmals als reine Zweck-Gemeinschaft erlebt wird.

Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 11. März 2008 )
 

Redaktion Drogenszene

Bernd Werse

Multimedia Drogen

Drogenszene DROGENSZENE Die Drogen-Szene besteht aus vielen lokalen Teilszenen, die wenig miteinander zu tun haben.
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