Anime und Manga E-Mail
Cosplay-Gruppe aus One Piece (Anime/Manga) © Karen Heinrich
Cosplay-Gruppe aus One Piece (Anime/Manga) © Karen Heinrich
Manga sind die japanische Form des Comics, Anime (von engl. animation) die japanische Ausprägung des Zeichentrickfilms.

Manga und Anime können mit einigem Recht als eigene Medien oder zumindest als eigenständige Form innerhalb der übergeordneten Medien Comic resp. Animationsfilm oder TV-Serie aufgefasst werden, da sich in Japan - in Aufnahme westlicher Einflüsse - über Jahrzehnte eine eigene Industrie und künstlerische Traditionen herausbildeten. Durch ihre spezifische Bildsprache und Erzählweise, sowie eine einzigartige Vielfalt von Formaten und Genres, fanden sie seit den 1970er Jahren allmählich auch eine Fangemeinde außerhalb Japans.

Erst seit den 1990er Jahren wird eine nennenswerte Anzahl von japanischen Titeln in nicht-asiatische Sprachen übersetzt und offiziell vertrieben, so dass sie sich ein Massenpublikum - besonders unter Kindern und Jugendlichen - erschließen konnten. Zuvor liefen bereits japanische (Ko-)Produktionen im deutschen Fernsehen, die aber nicht als "Anime" vermarktet wurden und nur von Kennern als solche erkennbar waren: Heidi, Die Biene Maja oder Wickie und die starken Männer. Die Vertrautheit mit der Optik und Erzählweise von Anime sowie japanischen Videospielen trug aber sicher mit zum späteren Erfolg von Manga in dieser Generation von Medienkonsumenten bei.

Schlüsselfunktion für den deutschen Markt hatten die Serie Sailor Moon von Naoko Takeuchi (die TV-Serie lief ab 1996 im Kinderprogramm) und Dragon Ball, der erste Manga, der ab 1997 in japanischer Leserichtung (von rechts nach links) veröffentlicht wurde. Heute machen Manga einen erheblichen, wenn nicht sogar den größten Teil der in Europa verkauften Comics aus.

Charakteristisch für Manga ist die schnelle, fast intuitive Lesbarkeit. Ihr Textanteil ist wesentlich geringer als der des klassischen frankobelgischen Comics (z.B. Tim & Struppi), die Zeichnungen sind dynamisch und ausdrucksstark, Aktionen werden seltener in einer Bildeinheit (Panel) abgehandelt, sondern eher in viele Momentaufnahmen zersplittert dargestellt. Da Manga in ihrem Ursprungsland oft als Langzeit-Serien in wöchentlich oder monatlich erscheinenden Heften angelegt sind, ist ihre Erzählweise geprägt durch eine serielle Struktur. Zyklisch wiederholen sich von Folge zu Folge typische Ereignisse, in Action-lastigen Serien etwa die Kämpfe gegen immer neue Feinde. In Bezug auf Cosplay ist bemerkenswert, dass hierbei die Verwandlung der Helden (angezeigt durch einen Kostümwechsel oder eine komplette körperliche Transformation) häufig eine Rolle spielt.

Neben dem populärstem Genre, den in den Nachkriegsjahren entwickelten Shônen-Manga (für Jungen), bildete sich in den 1970er Jahren im Genre der Shôjo-Manga (für Mädchen) durch den Einfluss einer weiblichen Zeichner-Generation ein ganz neuer Stil heraus. Sie legten den Schwerpunkt in ihren Comics nicht auf Action, sondern auf die Emotionen der Helden. Daneben existieren heute Manga für alle Alters- und Interessengruppen. Eine eigene Fangemeinde haben in Deutschland die Genres Yaoi und Shônen Ai, die sich aus den Dôjinshi (Fanfiction) entwickelten und um explizite Darstellungen homosexueller Erotik zwischen androgynen Männern kreisen. Sie werden fast ausschließlich von weiblichen Fans gelesen.
Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 27. November 2007 )
 

User Comments

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Zu diesem insgesamt sehr lesenswerten Text erlaube ich mir ein paar korrigierende Anmerkungen:

:
Erst seit den 1990er Jahren wird eine nennenswerte Anzahl von japanischen Titeln in nicht-asiatische Sprachen übersetzt und offiziell vertrieben

Z. B. in Spanien, Italien und den USA erschienen die ersten Mangas bereits Anfang der 1980er Jahre. Der eigentliche Manga-Boom begann daraufhin in Spanien und Italien Mitte der 1980er Jahre und in den USA Ende der 1980er Jahre. (In Frankreich begann der Boom Mitte der 1990er Jahre, und in Deutschland Ende der 1990er Jahre.)

:
Da Manga in ihrem Ursprungsland als Endlos-Serien (...) angelegt sind

Im Gegensatz zu 'echten' Endlos-Comicserien (wie US-amerikanischen Superhelden-Sagas, von denen viele bereits seit Jahrzehnten bestehen) haben alle Manga-Serien irgendwann ein Ende. Bei den meisten Mangas handelt es sich im Gegenteil sogar eher um One-Shots oder kurze Serien mit wenigen Bänden. Lediglich ganz bekannte und erfolgreiche Serien wie 'Dragonball', 'Inu Yasha', 'One Piece' oder 'Conan' wurden/werden erheblich ausgedehnt.

Der Hauptunterschied zwischen US-Endlosserien und Manga-Langzeitserien ist, dass die US-Serien verlagsabhängig, die Manga-Serien dagegen personenabhängig sind. Während US-Superhelden im Laufe der Zeit von vielen verschiedenen Zeichnern zu Papier gebracht werden, bleibt eine Manga-Serie immer mit dem ursprünglichen Zeichner (bzw. der Zeichnerin) verbunden.

:
(...) in wöchentlich erscheinenden Sammelheften (...)

In Japan haben nur etwa 5 % aller Manga-Magazine einen wöchentlichen Erscheinungsrhythmus, die meisten (etwa 70 %) werden ein Mal pro Monat veröffentlicht.

Bei den Manga-Magazinen (so genannte 'manga zasshi') handelt es sich außerdem nicht um 'Sammelhefte', da sie aufgrund der schlechten Papier- und Druckqualität nach dem Lesen weggeworfen werden. Die darin enthaltenen Einzelkapitel werden allerdings später in mehrmonatigen Abständen als Sammelbände (so genannte 'tankoubon') in erheblich besserer Qualität neu aufgelegt.

Ich hoffe, dass ich damit ein bisschen zum besseren Verständnis beitragen konnte.

Veröffentlicht von Dr. M. Tieschky, An 11/19/2007 bei 09:56

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Redaktion Cosplay

Karen Heinrich
Christoph Tober  

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